Bitcoin & Co.: Fake-Trades verzerren das Bild.

Von Rouven Rosenbaum, Geschäftsführer der bitmeister GmbH, Berlin

Was schon lange gemutmaßt wurde ist mit einer neuen Studie sichtbar geworden: Das von vielen Handelsplätzen für Krypowährungen angegebene Volumen ist schlichtweg Fake. Bis zu 95 Prozent der gemeldeten Umsätze sollen falsch sein. Für die Branche sind das gute Nachrichten – aus drei Gründen.

Der erste: Volumen ist kein Selbstzweck. Natürlich ist es wichtig zu wissen, welche Umsätze an welchen Börsen stattfinden. Wichtiger ist aber, dass es auch echte Umsätze sind, die zu echten Preisen führen. Bitwise Asset Management hat für die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC zusammengestellt, wie die Volumina auf unterschiedlichen Kryptobörsen zu bewerten sind. Bitwise macht dabei auf verschiedene Ungereimtheiten aufmerksam. 

So kann es kaum realistisch sein, dass jeden Tag fast neun Prozent aller Bitcoin einmal den Besitzer wechseln. Das aber wäre die Schlussfolgerung, legt man die gemeldeten Umsätze von rund sechs Milliarden US-Dollar pro Tag zugrunde. Dazu kommen Auffälligkeiten bei den Größen, der zeitlichen Abfolge, den Spreads und der Verteilung der Handelsumsätze an manchen Kryptoplattformen. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass von den im Schnitt sechs Milliarden US-Dollar täglich gemeldeten Volumens nur 2,73 Millionen einer echten Überprüfung standhalten. Das sind 4,5 Prozent der gemeldeten Umsätze.

Was aber bedeutet das? Zum einen, dass auf manchen Plattformen Anleger böse über den Tisch gezogen werden. Sie zahlen zu viel, erhalten zu schlechte Kurse oder gehen fälschlicherweise von der Seriosität einer Plattform aus, weil sie ganz oben im Volumenranking steht. Das betrifft auf der anderen Seite auch Unternehmen oder Projekte, die ein ICO planen und sich die Börse für ihr Listing aussuchen, wo sie sich das höchste Volumen und damit die beste Liquidität für die Anleger versprechen.

Grundsätzlich aber gilt: Volumen ist kein Selbstzweck. Es ist gut, wenn die gemeldeten Volumina jetzt auf Normalmaß gestutzt werden. Denn das hilft der gesamten Branche beim Erwachsenwerden. 

Denn, und das ist der zweite gute Grund, eine solche Transparenz sorgt dafür, dass die Täuscher auffliegen. Zurecht halten sich viele Anleger gerade in Deutschland zurück, wenn es um Investitionen in Kryptowährungen oder allgemein digitale Assets geht. Die fehlende Verlässlichkeit wird grundsätzlich vermutet – und von Studien wie der von Bitwiseendlich bestätigt. So kommt Transparenz in den Markt. Statt auf einen immerwährenden digitalen Hype zu setzen, immer neue Rekorde bei Umsätzen – wenn schon nicht mehr bei den Kursen – zu melden und damit auf Aufmerksamkeit zu hoffen, kehrt hoffentlich professionelle Ruhe ein. Denn eines zeigt die Studie auch: Bitcoin & Co sind ein Gut mit extrem geringen Kosten, jederzeitiger Verfügbarkeit, ohne Transportkosten und ohne wirkliche Lagerkosten. Der Markt dafür kann also extrem effizient sein – wenn die Trickser und Täuscher endlich draußen sind.

Der dritte Grund weshalb das gute Nachrichten sind, ist der Einfluss auf die Stimmung in der Branche. Kryptowährungenumweht noch immer der Reiz des frühen Pioniertums, der digitalen Anarchie. Regulierung, gar durch staatliche Stellen, wird oft abgelehnt. Anonymität gilt als Wert an sich. Diese Werte zu erhalten und gleichzeitig auch für die Pioniere verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen ist nicht leicht. Entscheidend ist, dass die Community selbst erkennt welche Vorteile in einer sinnvollen Regulierung liegen. Denn hier stehen Bitcoin & Co derzeit an einem Scheideweg: schaffen sie den endgültigen Sprung in den Mainstream, schaffen sie es, als professionell investierbare Assetklasse wahrgenommen zu werden, dann stehen den digitalen Assets alle Wege offen. Dazu ist es aber unbedingt notwendig, dass es einen Rahmen gibt, der für alle gilt und alle schützt. In Deutschland ist es Zeit für eine echte, voll regulierte Kryptobörse. Und weltweit werden wir in Zukunft zwar ein deutlich geringeres Volumen als „echt“ ansehen müssen. Entscheidend aber sind die Zuwachsraten – und die werden mit der Regulierung stark ansteigen.

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