Rouven Rosenbaum Bitcoin

The trend is your friend: Gilt das auch bei Kryptowährungen?

Für die Aktien- und Rentenmärkte gibt es eine ganze Reihe Börsenweisheiten, die mal mehr mal weniger zutreffen. Rouven Rosenbaum, Gründer und Geschäftsführer der auf Kryptowährungen spezialisierten bitmeister GmbH aus Berlin analysiert, ob diese Weisheiten auch für die neue Assetklasse Kryptowährungen Bestand haben.

Die Weisheit: The trend is your friend.

Der Inhalt: Ein Trend ist eine erkennbare Richtung einer Entwicklung. Abgeleitet aus der technischen Analyse oder Chartanalyse besagt die Regel, dass ein Kurs, der erst einmal eine recht feste Richtung eingeschlagen hat, so schnell nicht davon abweicht. Für Anleger heißt das, es lohnt sich nicht gegen den Trend zu handeln. Es ist besser, Verluste zu stoppen und nicht nachzukaufen, aber Gewinne laufen zu lassen.

Die Plausibilität: Funktioniert als sich selbst erfüllende Prophezeiung ganz gut, hat aber wenig Basis. Zum einen ist sie rückwärtsgerichtet, bezieht Informationen also nur aus der Vergangenheit. Zum anderen hängen Richtung und Stärke eines Trends ganz entscheidend von den Betrachtungszeiträumen ab. So kann auf Wochensicht ein Wert im Abwärtstrend stecken, auf Jahressicht im Aufwärtstrend und Intraday seitwärts laufen. Jeder kann sich also aussuchen, was er gerne hören möchte.

Relevanz für Kryptowährungen: Kaum gegeben. Kryptowährungen sind eine junge Anlageklasse, schwanken viel stärker als Aktien oder Renten und neigen deshalb viel eher zu Trendbrüchen oder -umkehrungen. Das liegt vor allem daran, dass im Kryptobereich bislang noch die ganz großen Spieler fehlen. Indexfonds oder ETFs, auch aktive Fonds oder auch große institutionelle Händler wie Pensionskassen geben dem Markt Stabilität durch Liquidität. Irrationale Kauf- und Verkaufsangebote werden durch die großen einfach geschluckt. Gerüchte schlagen bei Kryptowährungen deshalb viel schneller auf die Kurse durch. Hier wären wir bei einer anderen Börsenweisheit, die ich auch anderer Stelle vielleicht einmal diskutiere, nämlich „buy the rumor sell the fact.“

Dass sich Trends nicht so stark verfestigen wie bei Aktien liegt auch daran, dass Kryptowährungen oft von Anlegern gehandelt werden, die keine oder wenig Börsenerfahrung haben. Diese suchen nach Vorbildern, nach Orientierung. Blogger, Influencer oder Gruppen, in denen Kryptowährungen diskutiert werden, gewinnen da schnell Einfluss. Widerstreitenden, denn die Community ist sich in der Regel nicht einig, wie es mit bestimmten Coins weitergeht. So wechselt die Stimmung schnell.

Die unerfahrenen Anleger sind es auch, die nach „goldenen Regeln“ suchen, die ihnen das eigene Analysieren beziehungsweise das Nachdenken mit gesundem Menschenverstand abnehmen. Diese schauen gerne auf die Börsenweisheiten, die von Investment-Gurus verbreitet werden – oft zu deren Nutzen.

Ein weiteres Thema: Durch die fehlende Regulierung gibt es bei Coins kein standardisiertes Reporting mit Ad-Hoc -Pflichten und so weiter. Jeder Anleger muss sich eigenständig informieren – und die Wahl seiner Informationsquelle ist sehr beliebig. Hier kann es durchaus vorkommen, dass alternative Wahrheiten oder Fake News Kurse beeinflussen, wie das bei Aktien oder Rentenpapieren deutlich schwieriger möglich wäre. Das liegt auch daran, dass eine fundamentale Analyse der Kryptowährungen noch nicht wirklich allgemeingültigen, standardisierten Vorgaben folgt.

Fazit: Der Trend mag ein Freund sein, aber es ist eher der sehr langfristige Trend zu Kryptowährungen oder eine Ebene höher, zur Umstellung der Wirtschaft auf die Blockchain. Solche säkularen Trends tragen mit Sicherheit dazu bei, dass Kryptowährungen sich als Assetklasse etablieren – und Anlegern Gewinne bescheren.   

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